Aber im Ernst! Kennen Sie den Unterschied zwischen Ökonomie und Theologie?
Alle reden ja davon, wie der Wirtschaft in der Krise wieder auf die Beine geholfen wird. Jede Partei preist ihre wirtschaftspolitischen Konzepte. Ob sie sich im Endeffekt wirklich soooo! stark voneinander unterscheiden, wage ich zu bezweifeln.
Aber hinter den ökonomischen Rezepten, die ja alle vor sich hertragen wie „Wahrheiten“, stecken ja auch Menschenbilder und ein bestimmtes Weltverständnis.
Wirtschaft geht von der prinzipiellen Knappheit aller zu verteilenden Güter aus.
Die einen haben mehr und für die anderen wird es eng und knapp bei der Verteilung der Güter. Das ist halt so sagen die Einen, da muss umverteilt werden, sagen die Anderen.
Die Theologie dagegen denkt von einer von Gott geschenkten Fülle her, die allen Menschen gilt. Die Schöpfung ist unglaublich reich und vielfältig und sie ist ein Segen für alle Menschen.
Theologisches Denken rechnet nun aber auch damit, dass Menschen zufrieden sein können, zum Beispiel wenn sie Ruhe und Zufriedenheit in Gott gefunden haben.
Ökonomie geht von der Unstillbarkeit der menschlichen Bedürfnisse aus, also gewissermaßen von einer Unersättlichkeit, die zur Antriebskraft wirtschaftlichen Handelns wird und mit der Knappheit der verfügbaren Güter in Verbindung steht.
Glauben bedeutet, auf eine allen geschenkten, täglich für alle erneuerten Fülle des Lebens zu vertrauen und danach zu handeln, …, den Schwachen und Armen zu helfen und… mitunter jene innere Zufriedenheit zu erfahren.
„Du tust deine milde Hand auf und sättigst alles, was da lebt mit Wohlgefallen.“
So redet zum Beispiel der 145. Psalm von Gott und den Menschen.
Was würde passieren, wenn wir in unseren Krisen und Knappheitsdiskussionen, die sicher auch ihre Notwendigkeit haben, unser aller „kreatives Kapital“ einbringen würden, auf das die theologische Rede von der Fülle und dem Reichtum des Lebens aufmerksam macht. Welche menschlichen Ressourcen würde die Erfahrung innerer Ruhe und Ausgeglichenheit fördern.
Auch solche, die sich möglicherweise in Euro und Cent rentieren werden.
Es gibt „Güter “wie zum Beispiel… Liebe.., Freundschaft..., Hoffnung…, Vertrauen…, die dürfen keinen Preis haben und sind auch potentiell unendlich vorhanden, also keineswegs knapp.
Kreatives Kapital nennt die Wirtschaft das, was die Theologie Gottes schöpferischen Geist nennt. Das, was uns allen mit in die Wiege gelegt wurde, ohne Ausnahme von arm bis reich. Ob wir es auch in unserem Leben entdecken, und uns gar von ihm beflügeln lassen, das steht auf einem anderen, persönlichen Blatt.
Anstatt gehorsam weiter zu konsumieren und unsere Welt buchstäblich zu „verkonsumieren“ und an die eigene Unersättlichkeit zu glauben, könnte uns der biblische Glaube, es sei genug für alle da, neue, fantasievolle Wege in die Zukunft eröffnen.
Günther Kern-Kremp, Pfarrer