10.03.2011

Kritische Texte


 

„Nicht der religiöse Akt macht den Christen, sondern das Teilnehmen am Leiden Gottes im weltlichen Leben“.

D. Bonhoeffer

 

„Was ihr getan habt einem von diesen meinen geringsten Brüdern, das habt ihr mir getan“

Matthäus 25,40a


„Nicht nur um … das privatistische Rette deine Seele geht es, sondern zugleich um die soziale Gerechtigkeit: die soziale Dimension des Heils, die umfassende Sorge um die Mitmenschen und die Arbeit an der Veränderung der strukturellen Unfreiheiten und Zwänge der Gesellschaft".

Hans Küng

Der Pass

Der Pass ist der edelste Teil von einem Menschen. Er kommt auch nicht auf so eine einfache Weise zustand wie ein Mensch. Ein Mensch kann überall zustand kommen, auf die leichtsinnigste Art und ohne gescheiten Grund, aber ein Pass niemals. Dafür wird er auch anerkannt, wenn er gut ist, während ein Mensch noch so gut sein kann und doch nicht anerkannt wird.

Bert Brecht aus: Flüchtlingsgespräche (1949/41)

"Alles wird käuflich und kaufbar. Die Zirkulation wird die große gesellschaftliche Retorte, worin alles hineinfliegt, um als Geldkristall wieder herauszukommen.
Dieser Alchimie widerstehn nicht einmal Heiligenknochen und noch viel weniger minder grobe res sacrosanta, extra commercium hominem."
Karl Marx, das KapitalI,MEW Bd.23 Berlin 1972, S. 145

" In der modernen Welt ist Geld alles, beherrscht es alles...
In dieser ganz und gar auf das Geld ausgerichteten Welt sorgt diese Ausrichtung auf das Geld, die selbst die christliche Welt verseucht, dafür, dass
sie ihren Glauben und ihre Sitten der Aufrechterhaltung ihres ökonomischen und sozialen Friedens opfert."

C. Peguy"Notr Jeunesse, in Oevres en Prose, Paris 1992, S.631 u. 604

«  Dennoch wissen wir, zumindest dunkel, daß etwas Widerstand leistet. Wir wissen, dass der Markt, sosehr er den Anspruch erhebt, dem Unschätzbaren einen Preis beizumessen, niemals dessen Wert wird angeben noch seine Unendlichkeit wird erfassen können. Wir wissen, dass keine kaufmännische Gleichung den Preis des Lebens, der Freundschaft, der Liebe oder des Leidens wird ausdrücken können; oder den der Güter gemeinsamen Gedächtnisses. Oder den der Wahrheit. Wir wissen, ohne es gelernt zu haben, dass nur eine Beziehung bedingungsloser Großzügigkeit sich diesem Bereich dessen, was keinen Preis hat, zu nähern vermag.“

M. Henaff, Der Preis der Wahrheit, Frankfurt 2009, S. 35



„Produzieren, tauschen, konsumieren, damit unser Verhältnis zur Welt wie unsere Beziehungen zueinander auf die Verwaltung sichtbarer und quantifizierbarer Güter hinauslaufen.

Damit nichts der Berechnung der Preise und der Kontrolle des Marktes entgehe; damit endlich

Auch die Idee dessen, was keinen Preis hat, verschwinde. Damit es jenseits der Grenzen des Marktes

nichts anderes gebe. Damit schließlich die materielle Unschuld erreicht werde: weder Vergehen noch Sünde, weder Gabe noch Vergebung. Lediglich mehr oder weniger Irrtümer, positive oder negative Rechnungen…. Wie es scheint, kündigt sich eine solche Welt in unseren üblichen Produktions- und Tauschpraktiken bereits an.“

M. Henaff, Der Preis der Wahrheit, Frankfurt 2009, S. 40